EZ-IO® - Intraossäres Infusions-System

EZ-IO® - Intraossäres Infusions-System

Notfallmässige/dringliche Zustände, bei denen ein intraossärer Zugang vorteilhaft sein könnte:

  • Sepsis
  • Therapeutische Hypothermie
  • Geänderter Bewusstseinszustand
  • Atembeschwerden/-stillstand
  • Herzbeschwerden/-stillstand
  • Epileptische Anfälle/Status epilepticus
  • Nierenerkrankung im Endstadium
  • Diabetes
  • Hämodynamische Instabilität
  • Schock
  • Herzstillstand
  • Atemstillstand
  • Schere Verletzungen
  • Hypovolämie
  • Sichelzellkrise
  • Morbide Adipositas
  • Crush-Intubation (Rapid Sequence Induction)
  • Überbrückung bis zur Anlage eines Zentralvenenkatheters
  • Schlaganfall
  • Drogenüberdosis
  • Verbrennungen
  • Dehydratation
  • Anaphylaxie
  • Kardiale Arrhythmien

Nicht dringliche Situationen, in denen ein intraossärer Zugang vorteilhaft sein könnte:

  • Schwieriger Gefässzugang
  • Antibiotikatherapie
  • Sedierung für einen Eingriff
  • Schmerzbehandlung
  • Brustschmerzen
  • Laboranalyse
  • Vollnarkose
  • Stoffwechselstörungen
  • Rehydratation
  • Einleitung der Wehen
  • Chirurgische Eingriffe

 

 

Es gibt keinen offiziellen „Zertifizierungs“-Prozess, ausser wenn dies von einer Organisation, einem leitenden Arzt oder einem Spital verlangt wird. Ähnlich wie bei einem IV-Katheter ist auch beim EZ-IO® eine spezifische Schulung über den sicheren und korrekten Gebrauch des Produkts erforderlich.

Vidacare® und Tinovamed als der Schweizer Vertreter bietet ein umfangreiches Schulungsprogramm für das EZ-IO® an und empfiehlt, es vor dem Gebrauch des Systems zu absolvieren. Setzen Sie sich mit Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! per Mail an Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! oder per Telefon (032 566 71 72), um eine Schulung zu organisieren.

 

 

Das sternale intraossäre Infusionssystem EZ-IO® ist nicht für den Einsatz im Zivilbereich, sondern nur für die Anwendung beim Militär bestimmt. Die EZ-IO®-Nadelsets dürfen nie für die sternale Einführung verwendet werden, es sei denn, sie sind speziell mit der Aufschrift „Nur für den Gebrauch im Sternum“ gekennzeichnet. Der sternale Zugang ist nur für die sternalen intraossären Infusionssysteme für militärische Anwendungen zugelassen.

Für die sternale Einführung sollte nie der EZ-IO®-Bohrer verwendet werden.

 

 

  • Fraktur am Zielknochen
  • Übermässiges Weichteilgewebe oder die anatomischen Orientierungspunkte sind nicht eindeutig auffindbar
  • Infektion im Bereich des Punktionsortes
  • Vorangegangener signifikanter orthopädischer Eingriff im Bereich des Punktionsortes (z. B. künstliche Gliedmasse oder künstliches Gelenk)
  • Intraossärer Zugang im Zielknochen innerhalb der letzten 48 Stunden

 

 

Das EZ-IO® kann bei Erwachsenen und Kindern eingesetzt werden und ist in allen notfallmäßigen, dringlichen oder medizinisch erforderlichen (nicht notfallmäßigen) Situationen indiziert, bei denen ein intravenöser Zugang schwierig ist.

Intraossäre (IO) Punktionsorte für das EZ-IO® sind der proximale Humerus, die proximale Tibia und die distale Tibia bei Erwachsenen und Kindern und der distale Femur nur bei Kindern. Die Punktionsorte dürfen nur dann verwendet werden, wenn die anatomischen Orientierungspunkte eindeutig auffindbar sind. Das EZ-IO®-System kann bis zu 72 Stunden platziert bleiben.

 

 

Unter Off-Label-Use wird die Anwendung eines Medizinprodukts für eine Indikation verstanden, die in der CE-Kennzeichnung nicht ausdrücklich erwähnt ist. Ärzte dürfen Arzneimittel oder Medizinprodukte nach bestem ärztlichem Ermessen für Indikationen verschreiben, bestellen oder anwenden, die in der CE-Kennzeichnung nicht erwähnt sind. Aber dem Hersteller ist es nicht gestattet, für irgendeine nicht zugelassene Indikation zu werben. Daher kann Vidacare® keinen Off-Label-Use für das EZ-IO®-Produkt empfehlen, bewerben oder befürworten. 1

 

1 Food and Drug Administration. „Off-Label“ and Investigational Use Of Marketed Drugs, Biologics, and Medical Devices - Informationsblatt. Internet: Zugriff: 01/23/12. Einsehbar unter:
http://www.fda.gov/RegulatoryInformation/Guidances/ucm126486.htm.

 

 

Die offiziell zugelassenen Insertionspunkte des EZ-IO® sind:

  • Tibia proximal (Erwachsene und Kinder)
  • Tibia distal (Erwachsene und Kinder)
  • Humerus (Erwachsene und Kinder)
  • Neu: Femur distal (nur Kinder)

 

 

Die Vorteile eines Humerus-Zugangs sind:

  • Grössere Flussrate
  • Schnellere Absorptionsrate
  • Weicherer Knochen --> weniger Schmerzen für den Patienten

 

 

IO-Katheter werden im Allgemeinen in den proximalen und distalen Enden (Epiphysen) von Röhrenknochen platziert, weil dort die Knochenrinde (Kompakta) dünner ist und viel schwammartiges (spongiöses) Gewebe vorliegt. In der Epiphyse des Markraums befindet sich ein ausgedehntes Blutgefässsystem, über das Blut und Flüssigkeiten durch das Gefässsystem in den zentralen Kreislauf gelangen.

Anatomie des Intraossärraumes
Anatomie des Intraossärraumes
In der Epiphyse (proximales und distales Ende) des Knochenmarkraums befindet sich ein ausgedehntes System von Blutgefässen, die vertikal (Havers-Kanäle) und horizontal (Volksmann-Kanäle) verlaufen. Über dieses umfangreiche Netz gelangen Blut und Flüssigkeiten schnell in den zentralen Kreislauf. Siehe Abbildungen 1 und 2.

 

 

Die Auswahl des Punktionsortes für den intraossären Zugang hängt von Alter, Grösse, Anatomie und Gesundheitszustand des Patienten, der Möglichkeit anatomische Orientierungspunkte zu lokalisieren sowie von der klinischen Beurteilung und Erfahrung ab. Mehrere Studien weisen darauf hin, dass der Humerus eine bessere Stelle hinsichtlich der Durchflussraten, der Arzneimittelverabreichung und der Kontrolle von Infusionsschmerzen ist.

 

 

Für die EZ-IO®-Nadeln gibt es keine spezifischen Grössen für Erwachsene und Kinder. Für jede IO-Nadel gibt es Richtlinien hinsichtlich des Gewichtsbereichs. Die längere 45-mm-IO-Nadel sollte bei einer dicken Gewebeschicht über dem Punktionsort sowie für den Punktionsort am proximalen Humerus bei Erwachsenen verwendet werden. Die Auswahl der geeigneten IO-Nadel sollte nach klinischem Ermessen aufgrund der Anatomie und des Gewichts des Patienten sowie der Gewebedicke erfolgen. Es kann sein, dass eine kleine, betagte Frau einen kürzeren und ein adipöses Kind einen längeren Katheter benötigt.

Der EZ-IO®-Katheter ist 5 mm vom Anschluss entfernt mit einer schwarzen Linie markiert. Wenn die EZ-IO®-Nadel durch das Weichteilgewebe eingeführt wird und den Knochen nicht erreicht oder wenn die 5-mm-Marke über der Haut nicht erkennbar ist, muss eine andere Nadel oder ein anderer Punktionsort gewählt werden, bevor die Knochenrinde durchbohrt wird.

 

 

Den angewinkelten Arm (in der für den Eingriff erforderlichen Position) zur leichteren Lokalisierung des Punktionsortes nach innen rotieren und das Tuberculum majus humeri in die richtige Position drehen. EZ-IO® ungefähr am Übergang zwischen dem Humerusschaft und dem Tuberculum majus humeri (chirurgischer Hals) einführen. Etwas grösseren Einführwinkel wählen. Nach der Einführung des IO-Katheters ist es wichtig, den Katheter und den Arm zu stabilisieren, um ein versehentliches Verrutschen zu verhindern.

 

 

Ähnlich wie beim periphervenösen Zugang: vor der Punktion sollte der Bereich sorgfältig mit Chlorhexidin (z.B. ChloraPrep®) oder dem im jeweiligen Protokoll angegebenen Desinfektionsmittel gereinigt werden.

 

 

Nein, für die Einführung der EZ-IO® ist in der Regel kein Lokalanästhetikum erforderlich, da kaum Beschwerden auftreten. Aber für schmerzempfindliche Patienten ist die Infusion von Flüssigkeiten oft schmerzhaft. Daher kann nach Einführung der IO-Nadel die intraossäre Gabe eines Anästhetikums (2% Lidocain ohne Konservierungsstoffe und ohne Epinephrin) erwogen werden, das nach Krankenhausprotokollen oder -richtlinien zu verabreichen ist.

 

 

Schalter des Bohrers betätigen und mässigen, leichten Druck ausüben. Kinder: Schalter loslassen, wenn ein plötzlicher Widerstandsverlust verspürt wird, was das Erreichen des Markraums anzeigt. Erwachsene: Nadelset nach Berührung des Knochens 1-2 cm einführen. Im Humerus sollte ein 45-mm-Set bei den meisten Erwachsenen so weit eingeführt werden, bis sich der Katheteranschluss auf Höhe der Haut befindet.

Ärzte werden eindringlich dazu aufgefordert, sich das Übungsmaterial anzusehen und unter Anleitung eines Vertreters von EZ-IO® oder eines klinischen Schulungsleiters praktische Erfahrungen zu sammeln, um den sicheren und richtigen Gebrauch der EZ-IO® zu erlernen.

 

 

Die häufigste Ursache dafür, dass der Bohrer langsamer wird oder sich nicht mehr dreht, ist die unsachgerechte Handhabung, insbesondere das Ausüben eines zu starken Drucks bei der Einführung. Die IO-Nadel sollte stets mit mässigem Druck eingeführt werden, damit der Bohrer richtig funktioniert. Wenn der Bohrer in einem klinischen Notfall versagt, kann das EZ-IO®-Nadel manuell ohne Bohrer eingeführt werden. Sollte das Problem trotz richtiger Handhabung fortbestehen, kontaktieren Sie uns bitte über unsere Website www.tinovamed.ch.

 

 

Nach der Einführung der EZ-IO® sollte die Nadel mit EZ-Stabilizer gesichert werden, um ein versehentliches Verrutschen zu vermeiden. Mandrin entfernen und EZ-Stabilizer über den Anschluss setzen, bevor der EZ-Connect angeschlossen wird. Falls kein EZ-Stabilizer bereitsteht, sollte die IO-Nadel auf andere Weise gesichert werden.

 

 

Ja. Die EZ-Connect immer mit Flüssigkeit spülen, bevor sie am EZ-IO®-Anschluss befestigt wird.

(Hinweis: Bei schmerzempfindlichen Patienten die EZ-Connect ggf. mit 2% Lidocain ohne Konservierungsmittel und ohne Epinephrin spülen.)

 

 

Ja. Die EZ-Connect verwendet den nadellosen Robertsite®-Anschluss von Halkey-Roberts.

 

 

Der Katheter und der Mandrin sind aus Edelstahl vom Typ 304 gefertigt. Der Kunststoffanschluss besteht aus medizinischem Polycarbonat.

 

 

Ja. Es ist wichtig, einen Spritzenbolus in den Intraossärraum zu geben, bevor versucht wird, Flüssigkeiten durch die EZ-IO® zu infundieren. Der Bolus trägt dazu bei, Mark und Fibrin aus dem Markraum zu entfernen, um wirkungsvolle Infusionsraten zu erzielen. KEIN BOLUS = KEIN FLUSS.

Es ist wichtig, für den Bolus keinen zu hohen Druck anzuwenden, weil dadurch das Risiko einer Extravasation erhöht werden könnte.

 

 

Ja. Wie bei einer IV-Infusion sollte auch eine IO-Leitung vor und nach einer Infusion gespült werden, um sicherzugehen, dass die verordneten Arzneimittel in der richtigen Menge und Konzentration in den Markraum gelangen. Ca. 1 ml Arzneimittel/Flüssigkeit verbleiben in der EZ-Connect, bevor sie den Gefässkreislauf erreichen.

 

 

In der veröffentlichten Literatur liegen die Durchflussraten von IO-Nadeln (bei Verabreichung unter Druck) zwischen 200 ml/h und 9900 ml/h. Eine wahrscheinlichere Schätzung der Durchflussrate bei Erwachsenen (basierend auf einer Studie an Freiwilligen) dürfte bei 5 l/Std. über den Humerus und bei 1 l/Std. über die Tibia liegen, beide bei einem Infusionsdruck von 300 mm Hg. Wie bei anderen Gefässzugängen können die Durchflussraten in IO-Nadeln von Patient zu Patient und je nach anatomischen Orten variieren. Allgemein werden adäquate Durchflussraten dann erreicht, wenn vor der IO-Infusion ein Bolus gegeben wird und die Infusion der Arzneimittel oder Flüssigkeiten unter Druck erfolgt (z.B. Infusionsdruckpumpe oder Druckbeutel). Schwerkraft allein führt selten zu ausreichenden Durchflussraten. Je höher der Druck, desto schneller der Durchfluss. Im Allgemeinen erlaubt der proximale Humerus schnellere Durchflussraten als die Punktionsorte an der Tibia.

 

 

Möglicherweise. Der intraossäre Zugang kann gefährdet sein, wenn die Leitung über einen längeren Zeitpunkt nicht benutzt wird. IO-Leitungen können durch einen zusätzlichen Spritzenbolus oft erfolgreich wieder durchgängig gemacht werden.

 

 

Platzierung des IO-Katheters im Markraum bestätigen. Versuchen, einen Spritzenbolus in die Leitung zu geben. Durch die Gabe einer kleinen Menge an Heparin oder Kochsalzlösung kann dafür gesorgt werden, dass der intraossäre Gefässzugang längere Zeit offen bleibt und ein Verstopfen verhindert wird. Je nach Nutzungsfrequenz des intraossären Zugangs kann ein wiederholter Bolus erforderlich sein, um die Leitung wieder durchgängig zu machen. In Krankenhausleitlinien und -verfahren sollte vorgeschrieben werden, ob Arzneimittel (z.B. Thrombolytika) verwendet werden sollten, um einen verstopften IO-Katheter wieder durchgängig zu machen.

 

 

Nein. Wenn mehrere Versuche an derselben Extremität vorgenommen werden, kann das wiederholte Durchdringen der Knochenrinde zu Extravasation führen, die schwierigere Komplikationen nach sich ziehen könnte (z.B. Kompartment-Syndrom). Unabhängig davon, ob eine intraossäre Punktion erfolgreich ist oder nicht, sollte innerhalb der nächsten 48 Std. keine weitere intraossäre Punktion am selben Knochen versucht werden. Stattdessen muss ein anderer Punktionsort gewählt werden.

 

 

Beliebige Luer-Lock-Spritze aufsetzen. Spritze und Katheter im Uhrzeigersinn drehen und gerade herausziehen. Den Katheter beim Herausziehen nicht hin- und herbewegen oder biegen.

 

 

Wenn der Plastikanschluss vom Katheter abbricht, Katheter mit einer Gefässklemme oder einem mechanischen Werkzeug greifen, drehen und kräftig herausziehen. Wenn der Katheter nicht sichtbar gemacht werden kann, muss möglichst schnell ein Arzt oder Notarzt herangezogen werden. Weitere Angaben zur korrekten Entfernungstechnik finden Sie in den Schulungsunterlagen.

 

 

Es kann sein, dass nach der Entfernen des EZ-IO® eine kleine Menge Blut austritt. In der Regel kann die Blutung durch direkten Druck auf die Stelle innerhalb von 1-2 Min. gestoppt werden. Bei antikoagulierten Patienten kann eine längere Dauer erforderlich sein.

 

 

Nach Entfernen der EZ-IO® ist kein spezieller Verband erforderlich. Ein Wundpflaster oder ein sauberer Verband reicht aus.

 

 

Ja, aber die Bewegungen sollten so weit wie möglich eingeschränkt werden, bis der IO-Katheter aus der Tibia entfernt ist.

 

 

Historisch liegt die dokumentierte Gesamtrate schwerer Komplikationen beim intraossären Zugang und der intraossären Infusion unter 1%.

  • Extravasation von Flüssigkeiten ist die häufigste Komplikation bei IO-Kathetern.
  • Das Kompartment-Syndrom kann auftreten, wenn eine grosse Extravasation nicht detektiert wird, was einen chirurgischen Eingriff oder eine Amputation zur Folge haben kann.
  • Osteomyelitis ist eine seltene, aber schwere Infektion. Die am häufigsten zitierte Rate beträgt 0.6% und stammt aus einer 1985 veröffentlichten Metaanalyse von intraossären Punktionen, die zu einer Zeit durchgeführt wurden, als noch keine modernen Techniken und Geräte zur Verfügung standen. Eine jüngere Studie liegt nicht vor. Nach Literaturangaben und Aufzeichnungen liegt die Rate wesentlich niedriger: weniger als ein Vorfall bei 100000 Zugängen.

Seltene Komplikationen sind lokalisierte Infektionen, Perforation des posterioren Knochenkortex, Verbiegen oder Verstopfen des Katheters und Schwierigkeiten beim Entfernen des Systems. In der Regel können Komplikationen durch die adäquate Punktionstechnik und kontinuierliche Überwachung der Punktionsstelle vermieden werden.

 

 

Nein. Zwischen 2005 und 2011 wurden über 50 klinische Forschungsstudien veröffentlicht, in die über 4200 Patienten eingeschlossen waren. In diesen Studien wurde kein Fall von Osteomyelitis beobachtet. Es wurde 1 Fall von Osteomyelitis unter mehr als 1 Million Punktionen gemeldet. Der Patient war kein Teilnehmer einer klinischen Studie.

 

 

In der bekannten medizinischen Literatur wurden keine Langzeitschäden an menschlichen Knochen erwähnt. Bei einer präklinischen Studie an Schweinen wurde eine Knochenmarksschädigung nach mehrmaliger Infusion von Adriamycin® über den intraossären Zugang beobachtet. Eine andere präklinische Studie an Schweinen berichtete über Knochenmarksschädigungen nach mehrmaliger Infusion von hypertoner Kochsalzlösung. Jedes Arzneimittel, das Sklerose oder Venenschäden hervorrufen kann, hat das Potential, intraossäre Gefässe zu schädigen. Daher sollten vor dem Einsatz die Risiken und Nutzen der Verabreichung dieser Medikamente über den intraossären Zugang sorgfältig gegeneinander abgewägt werden.

 

 

Nein. Dieses Problem wird zwar oft als theoretische Komplikation des intraossären Zugangs erwähnt, aber durch die klinische Literatur nicht bestätigt. Mehrere Studien haben die Auswirkungen des intraossären Zugangs auf die Epiphysenfuge von Kindern untersucht und keine langfristigen Auswirkungen gefunden.

 

 

In der bekannten medizinischen Literatur wird keine klinisch signifikante Fettembolie infolge einer intraossären Medikamentenapplikation gemeldet.

 

 

Eine Luftembolie kann durch jeden Gefässzugang, d.h. durch peripher- oder zentralvenösen, arteriellen oder intraossären Zugang, in das Kreislaufsystem gelangen. Sofort nach der Einführung des IO-Katheters sollten immer eine gespülte Spritze und eine Anschlussleitung oder ein Infusionsschlauch auf den Katheteranschluss gesetzt werden. Der im Knochen vorliegende Druck verhindert eine spontane Luftembolie, die bei zentralvenösen Kathetern wahrscheinlicher ist.

 

 

Es werden alle gemeldeten Probleme oder Komplikationen im Zusammenhang mit der EZ-IO® gemäss den ISO- (International Organization for Standardization) Anforderungen für Medizinprodukte verfolgt.

 

 

Fast alle Flüssigkeiten und Arzneimittel, die sicher über einen periphervenösen Zugang zu verabreichen sind, können auch intraossär sicher verabreicht werden. Umgekehrt sollten alle Arzneimittel, die über einen periphervenösen Zugang nicht sicher zu verabreichen sind, auch nicht intraossär verabreicht werden. Miteinander unverträgliche Arzneimittel und Flüssigkeiten sollten entsprechend den Standardpraktiken für die intravenöse Infusion nacheinander infundiert werden.

 

 

Im Allgemeinen entsprechen die Dosierungen für die intraossäre Infusion denen für die intravenöse Verabreichung. Arzneimittel und Flüssigkeiten erreichen den zentralen Kreislauf über beide Verabreichungswege ungefähr in der gleichen Konzentration. (HINWEIS: Bei der wiederholten Gabe von hypertonischen Flüssigkeiten ist Vorsicht geboten.)

 

 

Nachstehend sind Arzneimittel aufgelistet, die ohne gemeldete Nebenwirkungen wirksam über den intraossären Verabreichungsweg appliziert wurden:

Adenosin (z.B. Adrekar), Albumin, Alfentanil (z.B. Rapifen), Aminophyllin, Amiodaron (z.B. Cordarex), Ampicillin, Anascorp (Gegenmittel gegen Skorpiongift), Anästhetika, Antibiotika (viele), Antitoxine (verschiedene), Atracuriumbesilat (z.B. Tracrium), Atropin, Azactam (z.B. Aztreonam), Blut und Blutprodukte, Kalziumchlorid, Kalziumglukonat, Cefepim Hydrochlorid (z.B. Maxipime), Ceftriaxon (z.B. Rocephin), Kontrastmittel, Dexamethason (z.B. Fortecortin), Dextran, D5 ½NS, Dextrose 10%/25%/50%, Diazepam (z.B. Valium), Diazoxid (z.B. Hyperstat), Digoxin (z.B. Lanicor), Diltiazem (z.B. Dilzem), Diphenhydramin (z.B. Benadryl), Dobutaminhydrochlorid (z.B. Dobutrex), Dopamin, Ephedrin, Epinephrin, Esmolol (z.B. Brevibloc), Etomidat, Fentanyl, Fluconazol (z.B. Diflucan), Flumazenil (z.B. Anexate), Fosphenytoin (z.B. Cerebyx, Prodilantin), Furosemid (z.B. Lasix), Gentamycin, Haloperidol (z.B. Haldol), Heparin, Hydroxo-cobalamin (B12), Hydromorphon (z.B. Dilaudid), Insulin, Isoprenalin (z.B. Isoproterenol, Isuprel), Ketamin, Labetalol (z.B. Normodyne), Levetiracetam (z.B. Keppra), Lidocain (z.B. Xylocain), Linezolid (z.B. Zyvoxid), Lorazepam (z.B. Tavor), Magnesiumsulfat, Mannitol, Methylprednisolon (z.B. Urbason), Metoprolol (z.B. Beloc), Midazolam (z.B. Dormicum), Mivacurium (z.B. Mivacron), Morphinsulfat, Nalbuphin (z.B. Nalpain), Naloxon, Neostigmin (z.B. Neostig), Nitroglycerin, Nitroprussid (z.B. Nipruss) Vecuroniumbromid (z.B. Norcuron), Norepinephrin (Arterenol), Isotonische Kochsalzlösung, Ondansetron (z.B. Zofran), Pancuronium, Paracetomol, Phenobarbital, Phenylephrin, Phenytoin (z.B. Phenhydan), Piperacillin, Plasmanat, Kaliumchlorid, Promethazin (z.B. Atosil), Propofol (z.B. Disoprivan), Propranolol (z.B. Dociton), Remifentanil (z.B. Ultiva), Ringer-Laktat-Lösung, Rocuronium (z.B. Esmeron), Natriumbicarbonat, Standard IV-Lösungen, Succinylcholin (z.B. Lysthenon), Tenectaplase (z.B. Metalyse), Thiamin, Thiopental (z.B. Trapanal), Tobramycinsulfat, Vancomycin, Vasopressin (z.B. Pitressin, Argipressin)

 

Für die EZ-IO®-Nadeln gibt es keine spezifischen Kennzeichnungen für Erwachsene und Kinder. Jede Nadel ist für bestimmte Gewichtsbereiche vorgesehen. Die längere 45-mm-Nadel sollte für Humeruspunktionen bei Erwachsenen und immer dann verwendet werden, wenn sich eine dicke Gewebsschicht über dem Punktionsort befindet. Die Auswahl der geeigneten Nadel sollte stets nach klinischem Ermessen aufgrund der Anatomie und des Gewichts des Patienten und der Gewebedichte erfolgen. So wie eine kleine, betagte Frau vielleicht einen kürzeren Katheter benötigt, kann für ein adipöses Kind ein längerer Katheter erforderlich sein. Der EZ-IO®-Katheter ist 5 mm vom Anschluss entfernt mit einer schwarzen Linie markiert. Wenn die EZ-IO®-Nadel durch das Weichteilgewebe eingeführt wird und den Knochen nicht erreicht oder wenn die 5-mm-Marke über der Haut nicht erkennbar ist, muss eine andere IO-Nadel oder ein anderer Punktionsort gewählt werden, bevor die Knochenrinde durchbohrt wird.

 

 

Schalter des Bohrers betätigen und mässigen, leichten Druck ausüben. Schalter loslassen, wenn Widerstandsverlust auftritt, dies zeigt das Erreichen des Markraums an. In einer Studie im Jahr 2010 mit einer bohrergetriebenen IO-Nadel wurde die hohe Zuverlässigkeit der Bestimmung der richtigen IO-Nadel durch taktiles Feedback bestätigt (an Modellen, an denen unterschiedliche Knochendichten simuliert wurden).

 

 

Das Durchdringen des posterioren Knochenkortex mit der IO-Nadel ist eine mögliche Komplikation, die aber durch die Wahl der geeigneten Nadellänge und der richtigen Punktionstechnik vermieden werden kann.

 

 

Ja. Das Kompartment-Syndrom ist eine schwere Komplikation, die auftreten kann, wenn eine grosse Extravasation unerkannt bleibt. Der Punktionsort sollte oft auf Anzeichen einer Extravasation überwacht werden.

 

 

Ja. Die CE-Kennzeichnung für die EZ-IO® schliesst den distalen Femur ein. Die US-amerikanische Food and Drug Administration hat die EZ-IO® nicht für den Gebrauch am distalen Femur zugelassen.

 

 

In klinischen und präklinischen Studien wurden keine Fälle mit beeinträchtigtem Wachstum oder Knochenabnormitäten beobachtet.

 

 

2% Lidocain ohne Konservierungsstoffe und ohne Epinephrin (d.h. kardiales Lidocain) hat sich als wirksames Mittel zur Begrenzung und Linderung von Schmerzen bei der intraossären Infusion erwiesen. Intraossär verabreichtes Lidocain sollte sehr langsam (über 30-60 Sekunden) verabreicht werden, damit es im Intraossärraum verbleibt und seine anästhetische Wirkung entfaltet, statt sofort in den zentralen Kreislaur überzugehen. Die Intraosseous Lidocaine Guideline (Leitlinie zur Gabe von Lidocain beim intraossären Zugang) wurde von Dr. Richard Hixson, einem anerkannten Spezialisten für Arzneimitteldosierung, ausgearbeitet. Sie liefert eine prägnante Richtschnur für die Verabreichung und Dosierung von Lidocain über den intraossären Zugang für alle Alters- und Gewichtsklassen.

 

 

Ca. 1 ml Arzneimittel/Flüssigkeit verbleiben in der EZ-Connect, bevor sie den Gefässkreislauf erreichen. Der 15-mm-EZ-IO®-Katheter selbst enthält 0.03 ml, ein 25-mm-Katheter 0.045 ml und ein 45-mm-Katheter 0.07 ml. Diese Volumen müssen in die Dosierungen für pädiatrische Patienten einbezogen werden. Die EZ-Connect muss immer erst gespült werden, bevor sie mit dem EZ-IO®-Anschluss verbunden wird.

(Hinweis: bei schmerzempfindlichen Patienten die EZ-Connect ggf. mit 2% Lidocain ohne Konservierungsmittel und ohne Epinephrin spülen.)

 

 

Ja. Der EZ-IO® Stabilizer wird für alle Patienten dringend empfohlen, aber insbesondere für Kinder, da sie weichere, dünnere Knochen haben.

 

 

Die jüngste klinische Studie, in der die Laborwerte von intraossär und intravenös entnommenen Proben untersucht wurden, hat eine statistisch signifikante Korrelation für viele häufig angeforderte Laboruntersuchungen nachgewiesen und einige Ausnahmen angegeben. In dieser Studie war intraossär entnommenes Blut für folgende Untersuchungen geeignet:

  • Erythrozytenzahl
  • Kreatinin
  • Hämoglobin und Hämatokrit
  • Chlorid
  • Glukose
  • Gesamtprotein
  • Blut-Harnstoff-Stickstoff
  • Albumin

Für die Bestimmung von Natrium, Kalium, CO2, Kalzium, Thrombozyten- oder Leukozytenzahl wurde keine statistisch signifikante Korrelation gefunden. Die Natrium- und Kaliumwerte waren jedoch klinisch ähnlich.

Es sind keine Meldungen von Problemen im Zusammenhang mit eingeführten IO-Kathetern bei einer CT bekannt. Wenn ein IO-Katheter im proximalen Humerus platziert ist, sollte der entsprechende Arm sicher in der angewinkelten Position stabilisiert werden. Ein IO-Katheter kann leichte Streueffekte auf dem Bild verursachen.

 

 

Nein. Die EZ-IO® wird aus Edelstahl vom Typ 304 gefertigt und sollte nicht im MRT verwendet werden. Dies liegt daran, dass bei der MRT sehr starke Magnetfelder zur Bilderzeugung verwendet werden. Das Metall der EZ-IO®-Nadel könnte Probleme verursachen, wenn es sehr hohen Magnetkräften ausgesetzt wird.

 

 

Ja. Die EZ-IO® ist sogar bestens für die Einführung in poröse Knochen geeignet. Der intraossäre Zugang mit der EZ-IO® wird durch einen relativ moderaten Eingriff geschaffen, der bei der Einführung die Knochenarchitektur nicht zerstört. Das EZ-IO®-System schneidet ein präzises Loch in den Knochen, erfordert zur Einführung minimale Kraft und erlaubt eine bessere Kontrolle als eine manuell in den Knochen gedrehte Nadel. Hinweis: die Verwendung des EZ-Stabilizers wird zur zusätzlichen Stabilisierung dringend empfohlen.

 

 

Die bevorzugte Punktionsstelle für den intraossären (IO) Zugang zur Flüssigkeits- und Medikamentenapplikation bei Patienten mit Verletzungen an den unteren Extremitäten oder am Becken ist der proximale Humerus. Flüssigkeiten, die über den proximalen Humerus verabreicht werden, gelangen über die Vena cava superior in den zentralen Kreislauf und umgehen somit die Bauch- und Beckengefässe. Bei schweren Verletzungen an den unteren Gliedmassen mit vermuteten Gefässschädigungen sollte an der betroffenen Extremität kein intraossärer Zugang versucht werden.

 

 

Es wird empfohlen, auf der betroffenen Seite (nach der Mastektomie) die Einführung eines IO-Katheters zu vermeiden.

 

 

Einem Patienten mit avaskulärer Nekrose fehlt definitionsgemäss ein adäquates Gefässsystem an der betroffenen Stelle. Daher sollte ein intraossärer Zugang an der avaskulären Stelle vermieden und ein anderer Punktionsort gewählt werden.

 

 

Osteogenesis imperfecta ist zwar keine absolute Kontraindikation für den intraossären Zugang, aber der Grad der Osteogenesis imperfecta kann unter Umständen ein Problem für die Anlage eines intraossären Zugangs darstellen. Es kann sein, dass der IO-Katheter in den weichen Knochen eines Patienten mit Osteogenesis imperfecta keine adäquate Dichtung für die Infusion aufrechterhalten kann. Ausserdem kann es schwierig oder unmöglich sein, den IO-Katheter bei einem Patienten mit Osteogenesis imperfecta adäquat zu stabilisieren.

Es ist ein Fall eines Patienten mit Osteogenesis imperfecta bekannt, bei dem ein intraossärer Gefässzugang versucht wurde. Ein 2009 veröffentlichter Artikel beschreibt den Fall eines erwachsenen Mannes mit Herzstillstand, bei dem ein notfallmässiger Gefässzugang geschaffen werden musste. Es wurden mehrere Versuche unternommen, die jedes Mal dazu führten, dass sich die IO-Katheter sofort lockerten und weder gesichert noch gespült werden konnten. Später stellte sich heraus, dass der Patient an einer Osteogenesis imperfecta vom Typ III, einer schwereren Form der Krankheit, litt.

 

 

Es gibt zwar einige anekdotische Berichte über den erfolgreichen Einsatz der EZ-IO® in Überdruckkammern, aber es wurden keine Artikel veröffentlicht. Unter normalen Umständen wird der Gefässzugang vor Betreten der Überdruckkammer gelegt. Es besteht keine Kontraindikation für die intraossäre Infusion in der Überdruckkammer.

 

 

Es wurden zahlreiche Studien zum intraossären Gefässzugang durchgeführt. Die Sicherheit und Wirksamkeit des intraossären Zugangs wurde in zahlreichen Umgebungen in verschiedenen Ländern untersucht. Die klinische Literatur umfasst ca. 500 Veröffentlichungen zum intraossären Zugang (in er frühen Literatur der 1940er Jahre als „Knochenmarks“-Zugang bezeichnet). Es gibt eine umfangreiche Bibliographie der veröffentlichten Artikel und Studien zum intraossären Zugang zusammengestellt. Sie kann online abgerufen werden unter www.tinovamed.ch

Die Wissenschaftler haben den intraossären Zugang an Forschungsinstituten, in prähospitalen Notfallsituationen und in harten Umgebungen wie Kampf- und Katastrophensituationen untersucht. Präklinische und technische Studien wurden unter Laborbedingungen durchgeführt.

Fakten im Zusammenhang mit dem intraossären Gefässzugang in der veröffentlichten Literatur (bis März 2012):

  • Ca. 500 Artikel über den intraossären Gefässzugang
  • Über 130 Artikel (in 6 Sprachen) zum Einsatz der EZ-IO®
  • Ca. 50 Artikel mit Beschreibungen von Fallstudien oder klinischen Studien
  • Über 4200 untersuchte Patienten

 

 

Alle IO-Produkte sind dazu bestimmt, Flüssigkeiten und Arzneimittel über den Intraossärraum zu verabreichen. Die Produkte lassen sich in drei wesentliche Kategorien einteilen: manuelle Systeme, Systeme mit einem Federmechanismus und Systeme mit batteriebetriebenem Bohrer. Die EZ-IO® ist das einzige batteriebetriebene Gerät auf dem Markt. Mehrere wissenschaftliche Studien und Artikel haben vergleichende Daten von verschiedenen derzeit erhältlichen IO-Systemen untersucht.

Es ist nachgewiesen, dass die EZ-IO® eine bessere Kontrolle erlaubt, weil bei der Einführung weniger Kraft erforderlich ist. Es ist auch nachgewiesen, dass die EZ-IO® eine präzisere Platzierung erlaubt und das Bohren eines genaueren Lochs ermöglicht, sodass das Extravasationsrisiko minimiert wird. Die symmetrische Schneidspitze des EZ-IO®-Katheters erlaubt einen präzisen Eintritt in den Markraum. Die Abbildungen 8a und 8b zeigen Mikroskopaufnahmen von Knochen nach der IO-Punktion. Nach der Platzierung des EZ-IO®-Katheters kam es nicht zur Extravasation der injizierten blauen Tinte und es gab keine mikroskopischen Frakturen, wie sie beim Einsatz von Produkten mit Federmechanismus auftreten.

 

 

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